Marta kam mit einem handgeschriebenen Zettel ihrer Bekannten: «Zirkon ist das Beste, nimm nur Zirkon.» Sie war bereit, 1400 Euro zu zahlen. Ich schaute, es war ihr 6er-Backenzahn, beim Lächeln gut von der Lippe bedeckt. Ästhetisch fällt er niemandem auf. Ich schlug Metallkeramik für 650 Euro mit garantierter Haltbarkeit von 15-20 Jahren vor. Sie stimmte zu, zahlte halb so viel und bekam genau das, was sie brauchte. Vier Jahre später kam sie für eine zweite Krone, diesmal tatsächlich an einem Frontzahn, und dort setzte ich E.max.
Diese Geschichte erzähle ich oft, weil viele meinen, teurer sei automatisch besser. Das stimmt nicht. Die richtige Krone ist das richtige Material für den spezifischen Zahn. Am Seitenzahn bietet Zirkon kaum Vorteile gegenüber Metallkeramik, ästhetisch unsichtbar, doppelt so teuer. Am Frontzahn dagegen sind E.max oder verblendetes Zirkon Pflicht.
In der deutschen Zahnmedizin gibt es vier Hauptmaterialien für Kronen. Schauen wir uns an, wann welches sinnvoll ist.
Vier Materialien. vier verschiedene Geschichten
NEM-Krone (Nichtedelmetall)
Das günstigste Material aus einer Chrom-Nickel- oder Chrom-Kobalt-Legierung. Keine ästhetischen Ansprüche, aber äußerst stabil. Primär für Seitenzähne. Kosten: 300–500 €.
Metallkeramikkrone (VMK)
Metallkern, verkleidet mit zahnfarbener Keramik. Jahrzehntelang der Goldstandard der Prothetik. Ein kleiner Nachteil: mit der Zeit kann am Zahnfleischrand ein dunkler Metallstreifen sichtbar werden. Kosten: 600–900 €. Lebensdauer: 15–20 Jahre.
Zirkonkrone (Zirkondioxid)
Vollständig metallfrei, biokompatibel, kaum von einem echten Zahn zu unterscheiden. Biegefestigkeit 900–1.200 MPa. Laut einer Metaanalyse im Journal of Prosthodontics liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei 93,3–100%. Kosten: 900–1.500 €. Lebensdauer: 15–25 Jahre.
E.max (IPS e.max Lithiumdisilikat)
Produkt des Schweizer Unternehmens Ivoclar. Biegefestigkeit 500 MPa. etwas geringer als Zirkon, aber das natürlichste optische Erscheinungsbild. Ideal für Frontzähne. Überlebensraten 95–100% nach 5 Jahren. Kosten: 900–1.200 €. Lebensdauer: 10–15 Jahre.
| Material | Kosten | Lebensdauer | Ästhetik | Stabilität |
|---|---|---|---|---|
| NEM (Metall) | 300–500 € | 10–20 J. | Gering | Sehr hoch |
| Metallkeramik | 600–900 € | 15–20 J. | Gut | Hoch |
| Zirkon | 900–1.500 € | 15–25 J. | Sehr gut | Hoch |
| E.max | 900–1.200 € | 10–15 J. | Exzellent | Mittel-hoch |
Was zahlt die Krankenkasse. Festzuschuss 2024
Die GKV zahlt einen Festzuschuss. einen festen Betrag, unabhängig vom gewählten Material. Regelversorgung ist die NEM-Krone (Metall).
Basis-Festzuschuss 2024: 251,87 € (60%)
Bonusheft 5 Jahre: 293,85 € (70%)
Bonusheft 10 Jahre: 314,84 € (75%)
Der Zuschuss wird immer in derselben Höhe ausgezahlt. egal ob Metall für 300 € oder Zirkon für 1.400 €.
Entscheidungshilfe: einfache Regel
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Seitenzahn, kaum sichtbar | Metallkeramik oder monolithisches Zirkon |
| Frontzahn, Ästhetik wichtig | E.max oder verblendetes Zirkon |
| Metallallergie | Nur Zirkon oder E.max |
| Knappes Budget | Metallkeramik |
| Bruxismus (Zähneknirschen) | Monolithisches Zirkon |
Ablauf der Behandlung Schritt für Schritt
Eine Krone wird in der Regel in zwei Sitzungen eingegliedert, mit 7-14 Tagen Pause:
- 1. Sitzung (1,5-2 Stunden). Lokalanästhesie, der Zahn wird mit Diamantbohrer beschliffen (1,5-2 mm Substanz allseitig). Abdruck wird genommen (Silikon oder digitaler 3D-Scan). Provisorium aus Kunststoff wird eingesetzt. Abdruck geht ins Labor.
- Labor (7-14 Tage). Der Zahntechniker fertigt die Krone an. In CEREC-Praxen wird die Krone direkt in 1-2 Stunden gefräst, so spart man die zweite Sitzung.
- 2. Sitzung (30-60 Minuten). Provisorium ab, Einprobe der definitiven Krone. Farbe, Form, Biss prüfen. Wenn alles passt, mit permanentem Zement eingesetzt. Bei Korrekturen geht die Krone zurück ins Labor.
Eingewöhnung 1-3 Tage. Die ersten Tage fühlt sich der Zahn ungewohnt an, dann adaptiert das Gehirn und Sie merken nichts mehr.
Bonusheft: Tausende Euro sparen
Das Bonusheft ist ein kleines gelbes Heft, das die Praxis ausgibt. Es wird einmal pro Jahr bei der Kontrolluntersuchung gestempelt. Kostet nichts, beeinflusst aber die GKV-Übernahme bei späterem Zahnersatz erheblich:
- Ohne Bonusheft: Festzuschuss 60 Prozent der Regelversorgung, etwa 252 Euro pro Krone.
- 5 Jahre Bonusheft: 70 Prozent, etwa 294 Euro.
- 10 Jahre Bonusheft: 75 Prozent, etwa 315 Euro.
Klingt nach wenig, 40-60 Euro pro Krone. Bei 5-6 Kronen plus Brücke plus Implantat im Alter sind das aber 500-1000 Euro Unterschied. Bei Härtefall (geringes Einkommen) kann die GKV sogar 100 Prozent der Regelversorgung übernehmen. Regelmäßige Kontrollen sind eine der günstigsten «Investitionen» in die spätere Zahngesundheit.