Marina kam zur Kontrolle und war überrascht: «Herr Marenkov, woher kommt dieser gelbliche Belag hinter den unteren Zähnen? Ich putze doch zweimal am Tag mit der elektrischen Bürste.» Ich zeigte ihr im Spiegel die Innenseite der unteren Schneidezähne. Dort lag eine harte Schicht Zahnstein, der typische Ort. «Ich dachte, bei mir ist alles perfekt.» Das ist normal. Zahnstein bildet sich auch bei guter Hygiene, weil es Stellen gibt, die die Bürste schlicht nicht erreicht.

Zahnstein entsteht, wenn weicher bakterieller Belag (Plaque) Mineralien aus dem Speichel aufnimmt, Kalzium und Phosphat, und aushärtet. Das dauert etwa 24-72 Stunden. Je näher die Speicheldrüsen, desto schneller wächst der Stein: Innenseite der unteren Frontzähne und Außenseite der oberen Molaren sind die Hauptzonen.


Warum Zahnstein entfernt werden muss

Zahnstein selbst tut nicht weh. Deshalb halten viele Patienten ihn nicht für ein Problem. Aber unter der mineralisierten Schicht vermehren sich Bakterien weiter. Sie verursachen Zahnfleischentzündung (Gingivitis), die sich mit der Zeit zu Parodontitis entwickeln kann, bei der der Knochen um den Zahn abgebaut wird.

Supra- und subgingivaler Zahnstein

Supragingivaler Zahnstein ist mit dem bloßen Auge sichtbar. Er ist gelblich bis braun und sitzt oberhalb des Zahnfleischrandes.

Subgingivaler Zahnstein (Konkrement) bildet sich in Zahnfleischtaschen. Er ist dunkler, härter und gefährlicher, weil er direkt die Zahnwurzel berührt.


Ablauf der Zahnsteinentfernung

In Deutschland wird die Zahnsteinentfernung mit einem Ultraschall-Scaler durchgeführt. Die Spitze vibriert mit ca. 25.000-30.000 Schwingungen pro Sekunde. Die Vibration löst die mineralisierten Ablagerungen, ein Wasserstrahl spült sie ab.

Der Eingriff dauert 15-30 Minuten. Für die meisten Patienten ist er schmerzfrei. Bei empfindlichen Zahnhälsen kann der Zahnarzt ein Betäubungsgel auftragen.

Was die GKV übernimmt

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) übernimmt die Zahnsteinentfernung einmal pro Kalenderjahr. Entfernung des supragingivalen Zahnsteins und Politur sind enthalten. Keine Zuzahlung erforderlich.

Wichtig: Zahnsteinentfernung und professionelle Zahnreinigung (PZR) sind verschiedene Leistungen. Die PZR ist umfassender (Weichbelag, Air-Flow, Politur, Fluoridierung) und wird nicht von der GKV übernommen.


Zahnsteinbildung verlangsamen

  1. Zweimal täglich putzen, zwei Minuten lang, mit weicher Bürste. Elektrische Bürsten sind laut Cochrane-Review 21 Prozent effektiver bei der Belagentfernung.
  2. Zahnseide oder Interdentalbürsten täglich. 40 Prozent der Zahnoberflächen liegen zwischen den Zähnen, die Bürste kommt da nicht hin.
  3. Innenseite der unteren Schneidezähne besonders sorgfältig putzen. Das ist Ihre Risikozone Nummer eins.
  4. Kontrolltermine nicht auslassen. Halbjährlich Kontrolle, jährlich Zahnstein, idealerweise zweimal jährlich PZR.
  5. Rauchen aufhören. Raucher bilden Zahnstein 2-3 mal schneller und dunkler.
  6. Weniger snacken. Häufige Mahlzeiten heißen ständige Bakterienfütterung und mehr Mineralisierung.

GKV vs privat: was übernommen wird

GKV (Gesetzliche Krankenversicherung). Übernimmt die Zahnsteinentfernung einmal pro Kalenderjahr, ab 18 Jahren. Keine Zuzahlung. Im BEMA-Katalog ist das die Position 107.

PZR (Professionelle Zahnreinigung). Keine Kassenleistung, privat zu zahlen. In Hamburg liegen die Preise bei 60-130 Euro je nach Praxis. Die PZR umfasst Zahnsteinentfernung plus Weichbelag, Interdentalpolitur, Fluorid-Lack. Das ist die vollständige Prophylaxe-Sitzung.

Zahnzusatzversicherung. Die meisten Tarife übernehmen 80-100 Prozent der PZR zweimal jährlich. Das ist eine der lohnendsten Investitionen ins Gebiss in Deutschland. Beitrag 10-25 Euro pro Monat, zwei PZR-Sitzungen bringen mehr zurück.

Bonusheft. Wer einmal pro Jahr Kontrolle und Zahnstein hat und das Bonusheft führt, erhält nach 5 Jahren 70 Prozent Zahnersatz-Zuschuss statt 60, nach 10 Jahren 75 Prozent. Eine Kleinigkeit, die im Alter Tausende Euro spart.


Was nach der Behandlung zu tun ist

24 Stunden. Kein Kaffee, Tee, Rotwein, kein Rauchen, keine Beeren. Der Schmelz ist nach der Reinigung leicht geöffnet und nimmt Farbpigmente schneller auf.

Erste Woche. Mit weicher Bürste putzen, keine aggressiven Whitening-Pasten. Vorübergehende Empfindlichkeit auf kalt und warm möglich, 1-3 Tage, das ist normal. Bei scharfen Schmerzen bitte anrufen.

Langfristig. Zurück zur normalen Putzroutine plus tägliche Zahnseide. Wer das nicht gewohnt ist, fängt mit zwei Zähnen an und erweitert nach und nach. Nach 2-3 Wochen läuft es automatisch.

Kinder unter 18 Jahre, IP-Termine (Individualprophylaxe) zweimal jährlich GKV: Putzinstruktion, Fluorid-Lack, bei Bedarf Zahnsteinentfernung. Wichtig für Gewohnheit und Kariesprophylaxe.